Unser CTO Dr. Adrian Ion im Interview

Philipp Begala

In einer digitalen Welt bleiben mechanische Komponenten anfällig für Verschleiß. Service- und Wartungsmanager müssen Störungen und mechanische Ausfälle als Teil ihrer täglichen Arbeit hinnehmen und mit kleinen Budgets auskommen. Die Komplexität des Ersatzteilmanagements nimmt exponentiell zu, weil immer
mehr Maschinen und Anlagen betriebskritische Aufgaben übernehmen. Dieser Trend wird sich in der Zukunft sehr wahrscheinlich verstärken.

Neue Technologien, die von künstlicher Intelligenz und Computer Vision getrieben werden, ermöglichen es Kunden, neue Ansätze zu entwickeln, um dieser
Herausforderung zu begegnen.

Im nachfolgenden Interview beantwortet unser CTO, Adrian Ion, Fragen zu unserer Partium Suchtechnologie

Ist die Erkennung von Farben und Farbtönen leicht?

Das Verstehen scheinbar einfacher Eigenschaften wie Farbe (z. B.  Rot,  Blau,  Gelb) oder Farbtöne (dunkel, hell) ist eine überraschend komplexe Aufgabe. Wir  Menschen bewerkstelligen solche Aufgaben mühelos und fast unbewusst, was  häufig den Eindruck erweckt, sie wären trivial. Der Mensch verfügt jedoch über ein sehr ausgefeiltes visuelles System, welches unsere komplette Welterfahrung nutzt. Stellen Sie sich bei der Ausführung solcher Aufgaben folgendes Bild vor:

 

Die Bereiche A und B haben dieselbe Helligkeit. Der wahrgenommene Intensitätsunterschied wird von unserem Gehirn geschaffen, welches das Konzept und die Eigenschaften eines Schachbretts und die eines Schattens versteht und diese benutzt, um uns ein Bild zu präsentieren, das mit unseren Erwartungen und unserem komplexen Verständnis der Welt übereinstimmt.

Warum werden nicht einfach QR Codes oder RFIDs benutzt?

QR-Codes, Barcodes und RFIDs müssen an den Oberflächen der Zielobjekte angebracht oder aufgedruckt werden, um erkannt zu werden. In Industrie- oder Produktionsumgebungen, wo Ersatzteile strenge Anforderungen erfüllen müssen, die von ihrer Funktion definiert werden (z. B. glatte Metalloberflächen), ist dies oft nicht möglich. Außerdem werden solche Komponenten üblicherweise in einer Umgebung benutzt, die schädlich für QR-Codes/RFIDs ist: z.B. hohe Temperaturen, extreme Reibung, Chemikalien.

Warum werden nicht einfach ganze Komponentengruppen ausgetauscht, sondern nur einzelne Ersatzteile?

Um diese Frage  zu  beantworten,  muss  man  die  Kosten  und  die  Realisierbarkeit des Ersatzteils und der Identifikation auf Baugruppenebene  berücksichtigen.  Aus  Sicht  der  Erkennung  und   Identifikation   sollte   sowohl die   Baugruppen-   wie   auch   die    Ersatzteilebene    berücksichtigt    werden,    da je nach Situation jede Ebene ihre Vorteile hat.

Warum ziehen Sie es vor, dass ein Mensch die Größenmessungen vornimmt?

Wenn man die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine erwägt, möchte man ihr vereintes Potenzial ausschöpfen, indem man sie tun lässt, was sie jeweils am besten können. Wir Menschen finden es schwierig und können uns völlig irren, wenn wir enorme Mengen von Daten durchsuchen müssen. Doch wenn es darum geht, Eigenschaften von konkreten Objekten in komplexen Setups abzuleiten und zu vergleichen, sind wir hervorragend. In umgekehrter Weise ist Ersteres für Maschinen leicht, und Letzteres wird sich häufig als schwierig erweisen. Ob die Erkennung das Ersatzteil, die Unterkategorie oder die Baugruppe identifizieren soll, hängt üblicherweise von den Ersatzteilen selbst ab. Wenn die visuelle Erscheinung der Ersatzteile ihre exakte Identifikation zulässt, dann ist dies die empfohlene Ebene. Wenn es jedoch beispielsweise mehrere Ersatzteile derselben Unterkategorie gibt, die sich nur in ihrer Länge unterscheiden (z. B. Federn), dann wird die Unterkategorieebene-Erkennung (eine schnelle Einschränkung von mehreren tausend auf ein paar wenige) mit anschließender Benutzerauswahl des erforderlichen Ersatzteils derselben Länge empfohlen.

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